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Einblick in die Arbeit des ifpb:

Schulentwicklung an der Gesamtschule Finnentrop


Die Gesamtschule in Finnentrop befindet sich als einzige weiterführende Schule vor Ort in einer Wettbewerbssituation mit Schulen des gegliederten Systems in den Umlandgemeinden. In den ersten Jahren nach der Gründung erzielte die Schule eine gute Resonanz vor Ort. Es gelang ihr aber nicht, die Elternschaft der Kinder mit hohem Leistungspotential für sich zu gewinnen, sodass die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe für einen geordneten Betrieb einer Oberstufe nicht ausreichend war. Das Institut für pädagogische Beratung (IfpB) wurde daher vom Schulamt der Gemeinde mit einer Analyse der Gründe für diese Entwicklung beauftragt. In Umsetzung des Auftrags führte das IfpB mit dem Kollegium der Schule, mit den Grundschulen der Gemeinde Finnentrop und mit weiteren Kennerinnen und Kennern der örtlichen Situation Erkundungsgespräche durch.


Aus den Gesprächen leitete das IfpB Empfehlungen an den Schulträger ab: Einerseits schlägt das Institut vor, dass der Schulträger seine Schulen (Grundschulen und Gesamtschule) in ein örtliches Entwicklungsnetzwerk ‚Selbstverantwortliches Schülerlernen in der Gemeinde Finnentrop‘ zusammenführt, indem die Unterrichtsentwicklung unter diesem Label von den Schulen vor Ort gemeinsam konzipiert und betrieben wird.


Als zweites schlägt das Institut dem Schulträger vor, die Gesamtschule bei der Erarbeitung einer ‚Entwicklungsvereinbarung‘ als Basis für die weitere innere Schulentwicklung durch Finanzierung einer systemischen Prozessbegleitung zu unterstützen – mit dem Ziel, die gute Qualität des gemeinsamen Lernens aller Kinder nach außen hin maximal transparent werden zu lassen, um sich als attraktives Angebot gerade für Kinder mit hohem Leistungspotential präsentieren zu können. Flankierend schlägt das Institut vor, die zu entwickelnde Oberstufe unter den spezifischen Bedingungen einer nur geringen Schülerzahl in Kooperation mit Schulen im westfälischen Umfeld mit einem spezifisch angepassten und attraktiven Konzept auszugestalten, mit Hilfe dessen eine gewisse Zahl externer Anmeldungen für die Oberstufe zu gewinnen ist. Für die Durchführung der Maßnahmen konnte das IfpB auf der Grundlage der Erkundungsgespräche viele konkrete Ausgestaltungsvorschläge machen.


Da das IfpB bei der Umsetzung dieses Auftrages das Schulamt der Gemeinde überzeugen konnte, erhielt es auch im Umsetzungsprozess der Empfehlung Teilaufträge. Dabei folgt das IfpB jedoch dem Grundsatz, nur solche Aufträge anzunehmen, die durch das staatliche Unterstützungssystem für Schulentwicklung (in NRW die regionale Kompetenzteamstruktur) aus eigener Kraft nicht leisten bzw. derzeit nicht leisten kann.


Zwar ist oft – wie in Finnentrop – bei oberflächlicher Betrachtung die einzelne Schule für ihre innere Entwicklung selbst verantwortlich. Doch vom Gelingen oder Nichtgelingen der Entwicklung der Einzelschule ist die Kommunalpolitik betroffen. Sie hat die Aufgabe, für ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot vor Ort zu sorgen. Die Probleme liegen in vielen Fällen nicht nur in der einzelnen Schule, sondern im Zusammenspiel der verschiedenen Schulen und Schulformen vor Ort.


Immer häufiger sehen sich Städte und Gemeinden mit komplexen Anforderungen von Eltern und Schüler*innen konfrontiert, die das örtliche Schulsystem als Ganzes nur unzureichend befriedigen kann. Solche Gemeinden können sich mit dem Wunsch nach Analysen der tatsächlichen Problemlage vor Ort, mit dem Wunsch nach pädagogischen Konzeptionen und Vorschlägen für Problemlösungen innerhalb des örtlichen Schulsystems an das IfpB wenden. Der begleitete Prozess der Schulentwicklung, der unterschiedlichen, miteinander mehr oder weniger kooperierenden Schulen vor Ort in den Blick nimmt, gibt die Chance, ein stimmiges Konzept zu erarbeiten, vermittelnd zwischen den Anforderungen der Schülerschaft und der Realität bestehender Schulen. Die Kommunen als Auftraggeber können damit unterstützt von einer unabhängigen Beratung zeitnah ihren Herausforderungen begegnen und bringen dafür mittlerweile häufig ihre finanziellen, organisatorischen und personellen Ressourcen ein.


Wir danken Frau Dr. Anja Reinermann-Matatko für die gute Zusammenarbeit. Die Gesamtschule Finnentrop ist damit ein weiteres Beispiel dafür, dass innere und äußere Schulentwicklung in Kommunen zusammen gedacht und betrieben werden muss.