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Zeitschrift für Pädagogik. 60. Beiheft:
Das Selbstverständnis der Erziehungswissenschaft

Roland Reichenbachs Gelächter zur Schulkritik
Mit dem Ende der Zeitschrift „Neue Sammlung“ ging die Angst um, die essayistische Schreibweise in der Pädagogik würde mit ihr zu Grabe getragen werden müssen. Während dies von vielen als Verlust gewertet wurde, gab es auch Gruppen, die in dieser Veränderung einen Mehrwert an Wissenschaftlichkeit und empirischer Arbeitsweise erkennen wollten. Wie auch immer man sich zu diesem Phänomen positioniert, eine Form des Schreibens, die sowohl in Theorie als auch in Praxis einem freien Philosophieren und kulturkritischen Reflektieren verschrieben ist und dabei immer auch die Grenzen der Pädagogik überschreitet, wird es wohl in einer solchen Ausprägung nicht mehr geben.

Roland Reichenbach zeigt uns in diesem Zusammenhang immer mal wieder, was wir mit der „Neuen Sammlung“ und der mit ihr verbundenen Denkform verloren haben. In seinem Artikel „Schulkritik – Eine „metaphorologische“ Betrachtung“, ist es gerade die essayistische Form, die den Leser über seine eigene Schulkritik aufklären kann und Stereotypen entlarvt. Reichenbach deckt auf, was die Hintergründe, die jeweiligen Absichten und die Interessen dieser Kritik sind. Dabei identifiziert er drei Merkmale der öffentlichen Auseinandersetzung über Schule: Besitz, Produktion und Zeit. Die Schulbildung wird „erstens wie ein Besitz von Einzelpersonen behandelt, zweitens als ob sie ein Gut wäre, das regelrecht herstellbar und nach Gutdünken modifizierbar ist und das drittens möglichst zeitökonomisch hergestellt werden soll“. (S. 231)

Im Rahmen dieses Textes, können die Gedanken von Reichenbach nicht in ihrem ganzen Umfang gewürdigt werden. Deshalb bleibt uns nur, die Leser unseres Newsletters auf den Originaltext zu verweisen. Das IfpB sieht nämlich erhöhten Forschungsbedarf, in den von Reichenbach angesprochenen Bereichen, um deren Bedeutung für die "harte" Wissenschaft hervorzukehren. Denn seine Ausgangsfrage, wie „das Auseinanderklaffen des Selbstverständniss (es) der Erziehungswissenschaft einerseits und ihre Repräsentation im zeitgenössischen öffentlichen Diskurs andererseits“ (S. 226) zustande kommt, ist eine Frage, die dringend (auch empirisch) erforscht werden sollte.