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Schulmüdigkeit: Viele Ursachen, viele Lösungen

Schulmüdigkeit ist das Ergebnis eines Prozesses, dem mit monokausalen Begründungen nicht beizukommen ist. Weder ist sie Ausdruck einer Faulheit seitens des Schülers noch das Resultat eines langweilig gestalteten Unterrichts durch den Lehrer. Schulmüdigkeit resultiert vielmehr aus dem Umstand, dass Menschen mit individuellen Besonderheiten unter dem Dach eines Systems zusammengefasst werden, das die Tendenz zur Nivellierung individueller Unterschiede aufweist.

So können Kinder mit besonderen Lernbedarfen ebenso alle Zeichen einer Schulmüdigkeit entwickeln wie hochbegabte Kinder, besonders sensible Kinder ebenso wie Kinder, die den Bezug der Lerninhalte zu ihrer Lebenswirklichkeit nicht sehen, Kinder aus sozial schwachem Milieu ebenso wie Kinder von Eltern mit einen übertriebenen Leistungsdenken. Schulmüdigkeit resultiert also aus einer individualgeschichtlich bedingten Unter- oder Überforderung durch die Schule.

So vielgestaltig die Ursachen, so vielgestaltig die Ausformungen der Schulmüdigkeit. Von der diffusen Unlust, sich am Unterricht zu beteiligen (Stichwort: „innere Emigration“), über die gezielte Störung des Unterrichts und gelegentlichem Schulschwänzen bis zum Schulabbruch sind vielfältige Ausformungen der Schulmüdigkeit feststellbar. Eine Schulpädagogik, die das Wohl jedes einzelnen Schülers im Blick hat, sollte sich diesem Problem frühzeitig stellen.

Denn bei der Schulmüdigkeit gilt: Je manifester sie sich ausdrückt, desto verhärteter ist sie. Andersherum: Ein Schüler, der sich gerade leise in die innere Emigration verabschiedet, ist leichter wieder aus seiner Schulmüdigkeit zu lösen als ein Schüler, der die Schule schwänzt. Deshalb ist die Installation eines „Frühwarnsystems“, eines institutionalisierten Screenings zur Erkennung der leisen Formen der Schulmüdigkeit unerlässlich.

Hinzu kommen muss eine Flexibilisierung des „Systems Schule“, das den unterschiedlichen Ursachen der Schulmüdigkeit Rechnung trägt und die individuellen Besonderheiten der Kinder berücksichtigt. So kann eine differenziertes Eingehen auf den einzelnen Schüler ebenso der Schulmüdigkeit vorbeugen wie die Integration partizipativer Elemente in den Unterricht, eine Bevorzugung von Methodenvielfalt wie auch die Einbeziehung von Eltern, wenn der familiäre Hintergrund als Ursache für eine beginnende Schulmüdigkeit identifiziert werden konnte.

Ziel aller Maßnahmen und Entscheidungen sollte es sein, dass sich das Kind wieder stärker in seiner Individualität gewürdigt sieht, dass also aus Kevin wieder Kevin wird.

Hierbei stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

  • Wir zeigen Ihnen in einem Workshop auf, wie Sie ein Frühwarnsystem zur Erkennung der Schulmüdigkeit implementieren.
  • initiieren und moderieren Austausch der unterschiedlichen pädagogischen und sozialpädagogischen Sichtweisen auf das Thema.

Sie haben Fragen? Dann rufen Sie uns an unter: 0251-98 79 18 2