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Modellprojekte:
Ressourcen-Verschwendung in der Bildung?


Modellprojekte, Modellversuche oder auch Schulversuche haben Konjunktur und werden jüngst verstärkt öffentlich wahrgenommen. Zu Recht? Bringen Modellprojekte die Bildungslandschaft Deutschlands tatsächlich voran oder finanzieren sie nur einer einzelnen Schule Renovierung und Personal?

Modelle sollen modellhaft sein
Der provokante Einstieg soll nicht das Modellprojekt an sich infrage stellen, aber seine Wirkung über sich selbst hinaus: Sind die Modellprojekte der jüngeren und älteren Vergangenheit wirklich übertragbar? Die hohe Wertschätzung von pädagogischen Experimenten hat die Erziehungswissenschaft jedenfalls nicht dazu bewegt, die Möglichkeiten und Grenzen von Modellprojekten explizit und ausführlich zu diskutieren. Projektteams sind dazu gezwungen, das Rad immer wieder neu zu erfinden: Handlungskriterien fehlen ebenso wie Standards bzw. Qualitätsmerkmale – daher verschlingt jedes Projekt aufs Neue Zeit und Geld für den formalen Strukturaufbau.

Studie stellt allgemeingültige Strukturen vor
Vergleichbare und übertragbare formale Strukturen für die Projektdurchführung – bisher gab es sie noch nicht. In seiner Studie nun liefert Dr. Robert Wunsch eben diese und wählt dabei ein Verfahren, das sich als besonders produktiv erweist: eine Pädagogik aus der Praxis heraus. Mit ihr arbeitet er die die eigenen Erfahrungen systematisch und feldübergreifend auf und stellt sie als Praxisorientierung zur Verfügung. Das Ergebnis sind verständliche und praktikable Kriterien sowie Begriffe, die der Praxis pädagogischer Experimente gerecht werden.

Modellversuche sind keine „Erfindung“ der Bildungspolitik oder der Wissenschaft – im Gegenteil: Der Autor betont, dass Modellprojekte die pädagogische Reaktion sind auf die Entwicklungsnotwendigkeit praktischer Erziehung und Bildung. Die Studie hinterfragt zudem die Kriterien für die Vergabe öffentlicher Mittel, entfaltet die Grundzüge einer Geschichte des Modellversuchs und versucht die Einordnung der wichtigsten erziehungswissenschaftlichen Texte zum Thema.

Robert Wunsch
Das Modellprojekt. Zur Praxis pädagogischer Innovation
Bd. 1 der Schriftenreihe des Instituts für pädagogische Beratung 2012
Kosten: 14,90 € zzgl. Versandkosten

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Bildung als Prozess wahrnehmen
Als unabhängige Beratungseinrichtung wollen wir bewusst den Widersprüchen entgehen, die entstehen, wenn Schulen in erster Linie als staatliche Einrichtungen verstanden werden. Leistungsvergleichsstudien und Kompetenzmessungen werden von uns nicht prinzipiell kritisiert, jedoch die übermäßig starke Finanzierung solcher Forschung: Nicht nur die Ergebnisse sind wichtig, sondern der Prozess „Bildung“. Die Praxis hat ihre eigenen Regeln und Gesetze, diese eigenen Regeln müssen jedoch immer wieder neu reflektiert, formuliert und zur Sprache gebracht werden – das wurde bisher nicht konsequent durchgeführt und wird nun vom IfpB angegangen.

Unabhängig, pragmatisch, kommunal – aus der Praxis heraus
Wir setzen auf pragmatische und kommunale Lösungen: Setzen wir Reformen nur von oben auf, scheitern wir mit großer Wahrscheinlichkeit. Eine nachhaltige Schul- und Sozialpädagogik kann nur in Kommunikation mit der Politik und Öffentlichkeit Akzeptanz finden, jedoch dürfen weder Wirtschaft noch Religion oder Politik die relative Eigenständigkeit der Erziehung und Bildung beherrschen, sie muss mündig bleiben. Deswegen beraten wir unabhängig von politischen Präferenzen mit dem systematisch-pädagogischen Blickwinkel und im wechselseitigen Austausch mit der Praxis.

Wir suchen nach Überschneidungen zwischen guter Schulpädagogik und den Zielen einer kommunalen Bildungspolitik – das kann nicht immer konfliktfrei und harmonisch geschehen. Deswegen zielen wir auf einen situativen Kompromiss, der eine sinnvolle Entwicklung einer Bildungsregion ermöglicht.